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Michael Bader, fischerwerke GmbH & Co, KG

Next Innovation - Wie KMU von Startups profitieren

Technologiewerkstatt: Herr Bader, Sie sind bei der Unternehmensgruppe fischer für Start-ups zuständig. Warum wurde Ihre Stelle relativ neu geschaffen?

Michael Bader:

fischer ist einer der weltweit wichtigsten Pioniere der Befestigungsbranche. Was mit der Erfindung des S-Dübels 1958 begann, setzt sich bis heute fort: Wir setzen Trends am Markt und sichern uns dadurch die technologische Marktführerschaft in wichtigen Feldern der Befestigungstechnik. Durch die Zusammenarbeit mit Start-ups schöpfen wir neue Potenziale, um weitere innovative Wege zu gehen. Umgekehrt unterstützen wir die Newcomer mit Wissen, Kontakten und Ressourcen. Know-how und Ideen aus beiden Richtungen fließen zusammen. Dabei geht es nicht nur um Produkte, es sind auch Leistungen, die intern Anwendung finden. Zusätzlich bedarf es für manche innovativen Ideen andere Wege, diese umzusetzen. So denken wir ganzheitlich in Geschäftsmodellen und realisieren diese in Start-ups, beziehungsweise erproben die Produkte und Leistungen per Lean Start-up-Methodik über Validierung am Markt, um frühzeitig Kundenfeedback einzuholen und bei Bedarf Anpassungen vorzunehmen.

Technologiewerkstatt: Bitte beschreiben Sie kurz Ihren Werdegang?

Michael Bader:

Nach meinem Studium der Feinwerktechnik in Furtwangen mit Abschluss Dipl. Ing. (FH) arbeitete ich 14 Jahre bei der Fa. Marquardt in wechselnden Positionen als Konstrukteur, Projektleiter, Teamleiter Konstruktion, Director Quality Automotive und Abteilungsleiter Vorentwicklung. Seit Oktober 2016 bin ich bei fischer als Trendscout tätig und verantworte seit Mai 2018 die Aufgabe des Start-up Managers.

Technologiewerkstatt: Was sind Ihre aktuellen Aufgaben?

Michael Bader:

fischer ergreift die Chancen, die sich durch aktuelle Trends, wie die Digitalisierung, auftun. Wir entwickeln hierfür aus eigener Kraft und durch die Zusammenarbeit mit Partnern neue Lösungen und Konzepte. Ich beteilige mich daran, zu eruieren, ob es sich lohnt, hierbei die Potenziale von Start-ups zu nutzen – und wenn ja, in welcher Form, zum Beispiel durch Ausgründungen, Übernahmen oder Beteiligungen. Zum einen stelle ich die Verbindung zwischen unseren jeweils zuständigen Fachabteilungen und den passenden, am Markt agierenden Start-ups her. Hierbei entstehen oftmals Pilotprojekte, die dann durch die Fachabteilungen weiter betreut werden. Zum anderen haben wir erst kürzlich das eigene Start-up myCraftnote digital GmbH ausgegründet, für das ich die Brücke zur Unternehmensgruppe fischer bin. Dabei bin ich für beide Seiten das Sprachrohr – für uns, als Etablierten, und für den Newcomer. Die Beteiligung an Accelerator-Programmen wird ebenfalls von mir betreut – ein Intensivcoaching für Gründer, das ihre Entwicklung und ihr Vorankommen beschleunigt.

Technologiewerkstatt: Welche Zielsetzung steckt hinter der Startup-Strategie Ihres Unternehmens?

Michael Bader:

Start-ups bringen neue Impulse und frische Herangehensweisen in unser Unternehmen ein. Wir unterstützen daher Gründer, sich am Markt zu etablieren, wenn wir in ihren Ideen und Kompetenzen Potenzial sowie einen Mehrwert für fischer erkennen. So entsteht Innovation durch Kooperation. Wir schöpfen neue Potenziale, identifizieren Geschäftsmodelle, die für uns relevant sind, und profitieren von der schnellen Umsetzung der Ideen mit anschließender Beurteilung. Entwickeln wir selbst eigenständige, komplett neue Produktsortimente und Leistungen, durch die wir bestimmte Marktfelder weiter erschließen, dann bauen wir diese teilweise durch die Ausgründung eigener Start-ups weiter auf.

Technologiewerkstatt: Können Sie einige Ihrer täglichen Herausforderungen skizzieren?

Michael Bader:

Start-ups und Konzerne haben sehr unterschiedliche Denkweisen. Meine Herausforderung ist es, für beide Seiten den besten Weg zu finden und den dann auch umzusetzen. So gibt es sehr kurze Wege bei Entscheidungen in einem Start-up, die in jedem Konzern aber gewissen Regeln und Abläufen unterliegen. Ebenso gibt es kulturelle Unterschiede. Diese gilt es beizubehalten, aber dennoch sollte für beide Seiten Verständnis aufgebracht werden. Dies gilt es ebenfalls, zu vermitteln. Ich agiere sozusagen als Übersetzer der zwei Welten.

Technologiewerkstatt: Welche Mehrwerte konnten bereits über Start-ups für fischer generiert werden?

Michael Bader:

Ein aktuelles Vorzeigebeispiel ist das eigene Start-up myCraftnote digital GmbH, das wir Ende Juli ausgegründet haben. Die App myCraftnote unterstützt Handwerker in der täglichen Kommunikation und Dokumentation. Mit dem praktischen Tool lassen sich alle Informationen ganz intuitiv zentral bündeln und für jeden Mitarbeiter und gewünschten Kunden zugänglich machen – der ideale Einstieg des Betriebs in die Digitalisierung. Die Idee dazu wurde mit der Lean Startup-Methodik in Zusammenarbeit mit einem Company Builder aus Stuttgart verfeinert und weiterentwickelt. Die bisher erreichten Ergebnisse sind sehr beeindruckend, sodass wir uns für die Ausgründung entschlossen haben. Weitere Infos sind unter www.myCraftnote.de zu finden. Durch die Teilnahme an solchen Projekten ändert sich auch oft die Sichtweise der Mitarbeiter. Sie sind offener für neue Ideen und Projekte.

Vielen Dank, Herr Bader, für das interessante Gespräch.

 

Interview: Christine Seizinger, Contento-PR, www.contento-pr.de

 

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