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Interview Antje Freyth, Veränderungsintelligenz GmbH

Veränderungsintelligenz und 360° Feedback - Wir geben entscheidende Impulse

Technologiewerkstatt: Bitte stellen Sie die Veränderungsintelligenz GmbH in Ihren eigenen Worten vor.

Antje Freyth: Die Veränderungsintelligenz GmbH hat sich darauf spezialisiert, Veränderungs- und Innovationskompetenzen von Mitarbeitern und Führungskräften in mittelständischen Unternehmen zu stärken. Dazu machen wir zunächst eine Standortanalyse mit Tools, die wir gemeinsam mit der Hochschule Konstanz entwickelt haben. Daraus leiten wir dann gezielte Maßnahmen zur Stärkung ab.

Technologiewerkstatt: Ist eines Ihrer Tools das 360° Feedback?

Antje Freyth: Ja, das 360° Feedback dient einer realistischen Standortbestimmung der Kompetenzen von Führungskräften. Wir holen dazu Rückmeldungen aus unterschiedlichsten Perspektiven wie beispielsweise von Mitarbeitern, Führungskräften oder Kollegen ein zu sichtbaren Verhaltensmustern, die eine Führungskraft im Alltag zeigt. Diese geben Rückschlüsse auf die Kompetenzen einer Führungskraft.

Technologiewerkstatt: Welche Bedeutung hat das 360° Feedback in Veränderungsprozessen?

Antje Freyth: 360° Feedback hat eine hohe Bedeutung für die gezielte Entwicklung von Führungskräften in Veränderungsprozessen. Im ersten Schritt entwickeln wir hier mit unseren Kunden ein Kompetenzmodell, das den Führungskräften Orientierung bietet. Es zeigt, welche Kompetenzen bzw. konkreten Verhaltensweisen im Alltag künftig von ihnen erwartet werden, um das Neue erfolgreich umzusetzen. Dies ist sehr wichtig, da viele Veränderungsprozesse schon daran scheitern, dass die neuen Erwartungen bzw. die Zukunftskompetenzen nicht ausreichend konkretisiert werden. Beispielsweise welche Verhaltensänderungen eine neue strategische Ausrichtung erfordert oder mit welchem Verhalten eine Führungskraft den gewünschten kulturellen Wandel im Alltag erlebbar macht. Es können auch neue Kompetenzen sein, die die digitale Transformation bedingt. Im zweiten Schritt erhält die Führungskraft dann eine Rückmeldung zu diesen zukunftsorientierten Kompetenzen – die Basis zur persönlichen Weiterentwicklung.

Technologiewerkstatt: Das ist eine starke Intervention. Ist ein Ziel auch die Selbstreflexion von Führungskräften?

Antje Freyth: Ja, dies ist auch ein wichtiges Ziel. Im 360° Feedback wird das Selbstbild mit den Fremdbildern abgeglichen. Denn die Voraussetzung für einen selbstorganisierten Lernprozess ist ein realistisches Selbstbild. Reflexion und eigenverantwortliche Lernprozesse sind zugleich wichtige Bestandteile auf dem Weg hin zu einer agileren Organisation, eine für viele Unternehmen aktuell große Herausforderung. Ein 360° Feedback-Prozess leistet hier einen großen Beitrag zur Stärkung der Reflexionsfähigkeiten und konstruktiven Feedbackkultur im Unternehmen.

Technologiewerkstatt: Das ist sicher oft sehr aufschlussreich. Erreichen Sie eine hohe Akzeptanz Ihrer Ergebnisse?

Antje Freyth: Ja, zum einen erarbeiten wir das Kompetenzmodell gemeinsam mit repräsentativen Feedbackempfängern. Zum anderen besprechen wir das Ergebnis des 360° Feedbacks in einem persönlichen Reflexionsgespräch mit jedem Feedbackempfänger. In diesem Gespräch sichern wir die individuelle Akzeptanz der Ergebnisse und erarbeiten gemeinsam Entwicklungsziele. Wir reflektieren die Passgenauigkeit zwischen Kompetenzprofil und aktueller Rolle im Unternehmen und geben Coaching-Impulse zur Stärkung der Kompetenzen. Dieser erfahrbare Mehrwert führt in der Regel dazu, dass die Akzeptanz eines 360° Feedback-Prozesses im Zeitverlauf sogar noch weiter steigt.

Technologiewerkstatt: Viele Unternehmen befinden sich derzeit im Prozess der digitalen Transformation. Empfehlen Sie diesen Unternehmen die Erarbeitung eines Kompetenzmodells als Basis für künftigen Erfolg?

Antje Freyth: Die digitale Transformation ist ein tiefgreifender Wandel, der weit über traditionelle Veränderungsprozesse hinausgeht. Dieser Wandel umfasst mehrere Dimensionen gleichzeitig, erfordert eine hohe Veränderungsgeschwindigkeit und geht mit vielen Paradigmenwechseln einher. Viele traditionelle Erfolgsmuster funktionieren nicht mehr, um diesen Wandel zu meistern. Hier gilt es, klarzustellen, dass radikale Veränderungen anstehen: für das Unternehmen und den Einzelnen. Da ist die möglichst frühzeitige Klärung der neuen Erwartungen bzw. geforderten Zukunftskompetenzen und eine realistische Standortbestimmung der Führungskräfte besonders wichtig.

Technologiewerkstatt: Gibt es vorgegebene Fragebögen, mit denen Sie arbeiten?

Antje Freyth: Fragebögen bzw. Kompetenzmodelle „von der Stange“ bringen aus unserer Sicht nichts. Wir integrieren in unsere Kompetenzmodelle einerseits generelle Veränderungs- und Innovationskompetenzen, die uns aus der Forschung bekannt sind, und andererseits situationsspezifische Veränderungskompetenzen, die wir aus den konkreten Veränderungsinhalten ableiten. Wir passen also unsere Kompetenzmodelle jeweils auf die Personen und Situationen neu an. Allerdings greifen wir auf unsere interne Online-Bibliothek zurück, die wir über die vergangenen 15 Jahre in Kooperation mit dem IST Innovationsinstitut an der Hochschule Konstanz aufgebaut haben. Dort haben wir alle validen und in internationaler Forschung veröffentlichten Kompetenzen zu Führung, Veränderung, Innovation und Agilität gesammelt. So können wir mit überschaubarem Aufwand maßgeschneiderte und zugleich valide Kompetenzmodelle entwickeln.

Frau Freyth, vielen Dank für das Gespräch.

 

Interview: Christine Seizinger, Contento-PR, www.contento-pr.de

 

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