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Frank Feulner

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Den Menschen mitnehmen - Mitarbeiter im Zentrum des Digitalen Wandels

Technologiewerkstatt: Mit der Software von AX Semantics lassen sich aus Daten Texte erzeugen – vollautomatisch und in beliebiger Anzahl. Das macht mich als Redakteurin und Texterin einerseits neugierig, andererseits ein bisschen ängstlich, bald ersetzt werden zu können. Ist diese Angst begründet?

Frank Feulner:

Dieses Argument höre ich leider viel zu oft. Werden Maschinen unsere Jobs übernehmen? Muss ich EntwicklerIn werden, um meinen Job noch machen zu können? Am Ende hat sich bei den hunderten von Firmen, die AX Semantics mittlerweile nutzen, immer gezeigt, dass es gar nicht spannend ist, durch die Automatisierung etwas Bestehendes zu ersetzen. Viel spannender sind die Dinge, die Sie erst mit Automatisierung tun können und vorher eben nicht konnten.

Technologiewerkstatt: Wie könnte das in meinem Fall aussehen?

Frank Feulner:

Stellen Sie sich vor, Sie können die lästigen Volontariatsaufgaben, die viel Zeit fressen, und sich von Tag zu Tag nicht groß unterscheiden, der Maschine geben, und sich selbst mehr Zeit für Recherche, Qualitäts- oder frische neue Contentformate nehmen? Die Systeme werden, wenn sie sich erst einmal etabliert haben, sehr schnell und einfach zu nutzen sein.

Technologiewerkstatt: Wo sollte der digitale Wandel Ihrer Meinung nach möglichst schnell an Fahrt aufnehmen?

Frank Feulner:

Da muss ich außerhalb der Startup-Blase antworten: Ich glaube, im Schulsystem muss sich gewaltig etwas tun. Wir können nicht Digitalkompetenz und Data Literacy fordern, und gleichzeitig ist es Schulen fast unmöglich, sinnvolle Software einzukaufen oder auch nur WLAN und genügend Steckdosen für digitalisierten Unterricht zu stellen. Aber auch hier tut sich etwas. Berufsschulen in Baden-Württemberg bilden mittlerweile auch "Onlinehandelskaufleute" aus, die dann Themen wie Produktdatenmanagement, grundlegende Programmierkenntnisse oder KI-Texterstellung lernen. Davon brauchen wir in der Breite aber viel mehr, wenn wir als Gesellschaft den digitalen Wandel mitbestimmen wollen.

Technologiewerkstatt: Wie sollten Mitarbeiter an den digitalen Wandel gewöhnt werden? Was sind Ihre drei wichtigsten Tipps?

Frank Feulner:

Ich finde es unglaublich wichtig, ihnen klarzumachen, dass sie Teil des Wandels sind, ob es ihnen nun passt oder nicht. Das bedeutet, man muss selbst Kompetenz aufbauen, selbst machen und sich auch mal intern ein wenig streiten, wenn es um die richtige Digitalkultur geht. Unglaublich wichtig ist es aber auch, zugängliche Tools einzukaufen, für die man kein Informatik-Crack sein muss, und die auf einfachem Wege ein konkretes Problem lösen. So lernen Kollegen, dass der Wandel auch in ihren Prozessen etwas Positives bewirken kann. Und zum Schluss würde ich dringend empfehlen, den Wandel nicht Top-Down zu verordnen, sondern herumzugehen und die Mitarbeiter wirklich zu befragen, wo es Probleme in ihrem Alltag zu lösen gibt. Das passende Tool dafür wird sich schon finden.

Technologiewerkstatt: Durch Corona wurden viele Mitarbeiter von heute auf morgen ins Homeoffice geschickt. Wie hat das den digitalen Wandel beeinflusst und wie wird es weitergehen?

Frank Feulner:

Da sehe ich ein sehr heterogenes Bild, und als langjähriger Startup-Akteur bin ich wirklich überrascht. Einige Firmen treten recht pragmatisch Veränderungen los, die ohnehin überfällig sind, erlauben Homeoffice und setzen sich mit dezentraler Führung auseinander. Einige hinterfragen endlich Glaubenssätze und verabschieden sich von Vorstellungen wie all-hands-Meetings vor Ort oder einer Präsenzkultur. Aber es gibt leider auch nicht wenige, die derart an ihren verkrusteten Prozessen ersticken, dass sie nicht mal in der Lage sind, die Einkaufskriterien für Notebooks zu formulieren. Diese Firmen müssen jetzt nachsitzen, und schnellstens ihre Produktivität wiederherstellen, oder sie werden die Krise nicht überleben.

Vielen Dank für Ihre Einschätzung!

 

Interview: Christine Seizinger, Contento-PR, www.contento-pr.de

 

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